Swiss zieht Coop der Migros vor

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Was man vor allem aus Deutschland kennt, soll nun auch hierzulande Einzug halten: Fluggesellschaften verhökern ein Teilkontingent ihrer Tickets über Detailhändler. Helvetic und Denner machten bereits solche Aktionen, doch die Swiss wollte mit der Migros grösseres. Wie der Tages Anzeiger heute berichtet, plante die Fluggesellschaft mit dem grössten Detailhändler des Landes eine „strategische Partnerschaft“, die zu einer „umfassenden zukünftigen Zusammenarbeit“ hätte führen sollen. Dabei war vorgesehen, dass an Bord der Swiss in der Economy Class Heidi-Produkte, und in der Business Class Produkte der Migros-Hochpreismarke Sélection verteilt werden. Ebenso war vorgesehen, dass die Punkte aus dem Migros Bonusprogramm Cumulus in Zukunft auch in Flugmeilen umgewandelt werden können.

Doch aus der geplanten Zusammenarbeit wurde nichts. Kurz vor Ablauf der Absichtserklärung am Donnerstag teilte die Swiss der verdutzten Migros-Führung mit, dass man sich von der Vereinbarung zurückziehe. Das just zu dem Zeitpunkt, als die Inserate in der Sonntagspresse platziert und die Ticket-Gutscheine bereits in den Filialen der Migros verteilt waren. „Für uns ist das ein äusserst sonderbares Verhalten eines international tätigen Unternehmens. Vor allem vor dem Hintergrund, dass je ein Team bei Swiss und Migros das komplexe Projekt über Wochen erarbeitet hat“, läst sich Migros-Sprecherin Monica Glisenti zitieren.

In der Tat mutet es etwas seltsam an, dass bereits am Nachmittag des besagten Donnerstags die Migros-Konkurrenz Coop mitteilte, dass die Punkte aus dem Coop-Kundenbindungsprogramm bis ins Jahr 2011 in Flugmeilen umgewandelt werden können und man weiterhin Coop-Weine für die Bordverpflegung der Swiss liefern werde. Ausserdem werde man neu mit der Swiss im Vertrieb gemeinsame Aktionen vornehmen.

Als Grund für die Kehrtwende sagt Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel: „Wir sind uns bewusst, dass wir uns spät zurückgezogen haben. Aber wir konnten uns mit der Migros nicht auf die Konditionen einigen.“ Gemäss der Tagesschau des Schweizer Fernsehens (Direktlink zum Bericht) dürfte der Grund für das Scheitern darin liegen, dass die Migros eine Exklusivitätsklausel in den Vertrag einbauen wollte. So sollte verhindert werden, dass die Swiss ähnliche Aktionen auch mit anderen Händlern durchführt.

Peter Hogenkamp sieht im Scheitern der Verhandlungen mit der Migros aber noch einen weiteren, möglichen Grund:

Tja, irgendwie habe ich das Gefühl, nachdem bei der SWISS ja jetzt viele, viele Deutsche arbeiten, da könnten einige von denen auf einige Schweizer bei der Migros geprallt sein, und das hat nicht so ganz funktioniert.

Da könnte er nicht mal unrecht haben. Eines aber scheint klar: In absehbarer Zeit wird sich die Migros wohl kaum mehr mit vagen Absichtserklärungen für mögliche Partnerschaften zufriedengeben. Und die Swiss dürfte es in der Schweizer Wirtschaft doch wieder etwas schwieriger haben, als verlässlicher Partner zu gelten.

4 KOMMENTARE

  1. Migros hat dennoch Grund zum Lachen, denn schliesslich betreibt sie den Lebensmittelladen am FLughafen Zürich: Migros Flughafen Zürich.

    Und wieso ein Schweizer Detailhändler seine eigene Kundschaft mit günstigen Flugtickets dazu motiviert, im Ausland einzukaufen, verstehe ja sowieso niemand…

  2. Naja, Einkaufen im Ausland mit dem Flugzeug ist ja irgendwie auch etwas umständlich. Aber der (vergünstigte) Verkauf von Tickets in der Filiale zieht sicher ein paar Konsumenten an, die damit noch was zusätzliches einkaufen…

  3. Stimmt, das ist natürlich auch ein Argument. Umgekehrt wirbt die Zürcher Flughafenlobby ja jeweils damit, Ausländer würden per Flugzeug bei uns einkaufen und so Umsatz generieren?!

  4. Ich hab an dem Projekt für die Airline mitgearbeitet und verstehe überhaupt nicht, wieso Swiss plötzlich einen Rückzug machte. Find ich bescheuert.

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