Schweizer Reiseveranstalter zu Burma

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Free Burma

Gemäss dem Swiss Travel Handbook führen momentan immerhin noch 11 Reiseveranstalter Reisen nach Burma (Myanmar) durch bzw. bieten diese an. Nobelpreisträgerin Aung San Suu Ky ruft bereits seit Jahren dazu auf, keine Reisen nach Burma zu unternehmen , da damit das Regime finanziell unterstützt wird und Teile der Bevölkerung als sog. „Tourismus-Sklaven“ missbraucht würden. Grund genug also, die sieben in der Deutschschweiz agierenden Reiseunternehmen zu Ihrer Sicht der Dinge zu befragen.

Erstaunlich jedoch, wie sich die Reiseunternehmen, welche bei weniger kritischen Anfragen gerne Auskunft erteilen, auf einmal in Schweigen hüllen. Lediglich Kuoni und Hotelplan antworteten innerhalb von sechs Tagen auf meine Anfrage. Kuoni legt Wert auf die Feststellung, dass „praktisch ausschliesslich“ mit privaten Tourismus-Unternehmen in Burma zusammengearbeitet wird, wie Peter Brun, Leiter Kommunikation schreibt:

Kuoni arbeitet in Burma praktisch ausschliesslich mit privaten Unternehmen im Tourismus zusammen. Der Tourismus ist einer der wenigen Bereich in Burma, die von privaten Betrieben werden. Die Auflagen unserer Corporate Responsibility Stelle verlangen die Zusammenarbeit mit privaten Anbietern.

Ebenfalls unterstützt der Schweizer Reisekonzern eine Schule für Tourismus und bietet so Ausbildungsplätze im Tourismussektor an.

Die Migros-Tochter Hotelplan verweist in ihrem Statement darauf, dass

der Tourismus erwiesenermassen zur Öffnung gegen aussen beiträgt. Tourismus schafft eine gewisse Öffentlichkeit. Eine solche Öffnung macht es für totalitäre Regimes schwerer, unbeobachtet gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen.

Peter Schmidli, Leiter der Unternehmenskommunikation von Hotelplan, weiter:

Als Reiseveranstalter üben wir jedoch weder politische Funktionen noch politisch motivierte Kritik aus. Wir orientieren uns an den Weisungen des Eidgenössischen Departements des Äusseren (EDA) und beraten die Gäste entsprechend.

Im Bezug auf das Reiseland Myanmar werden Gäste während des Beratungsgespräches über die politischen und kulturellen Gegebenheiten vor Ort detailliert informiert. Wenn diese sich trotzdem für einen Besuch des Landes entscheiden, ist dies ihr mündiger Entscheid.

Bemerkenswert ist, dass Kuoni sich im Jahr 2003 sich u.a. auf Druck der britischen „Burma Campaign“ und weiteren Menschenrechtsorganisationen aus dem Burma-Geschäft zurückgezogen hatte, nun aber offenbar wieder „voll dabei ist“. Allerdings kann es dabei (noch) nicht ums „grosse Geschäft“ gehen, denn laut Auskunft von Peter Brun bereisten letztes Jahr „nur“ circa 200 Personen das asiatische Land mit Kuoni. Vielmehr dürfte es beiden Reiseveranstaltern vor allem darum gehen, bereits jetzt „einen Fuss“ in Burma zu haben um bei einer späteren Öffnung von Anfang an dabei sein zu können.

Immerhin, und das sei hier festzuhalten, äussern sich die beiden Reiseveranstalter zu ihrem Engagement in Burma. Die anderen angefragten Veranstalter, namentlich

wollen oder können sich offenbar nicht dazu äussern und bieten Reisen nach Burma lieber unter dem Mantel der Verschwiegenheit an. Ob eine solche Informationspolitik im Hinblick auf die Zustände in Burma jedoch sinnvoll ist, überlasse ich der Entscheidung der Leser…

(Bild: free-burma.org)

4 KOMMENTARE

  1. Burma: Das Schweigen der Reiseveranstalter…

    Immhin 11 Schweizer Reiseveranstalter bieten derzeit Reisen nach Burma (Myanmar) an. Doch wie äussern diese sich zu ihrem Engagement in einem Land, dass von einem Militärregime unterdrückt wird und wo friedliche Proteste mit massivster Gewalt niede…

  2. News » Blog Archive » Kuoni: Das Schweigen der Reiseveranstalter (BloggingTom, URL siehe Blog)

    […] Travelblogger […]

  3. […] Schweizer Reiseveranstalter zu Burma (8. […]

  4. Ich finde es legitim, dass die Reiseveranstalter immer noch Reisen nach Myanmar anbieten. Natürlich stehen dahinter auch geschäftliche Interessen aber wie Hotelplan betont, dient der Tourismus der Öffnung gegen aussen. Nur wenn Touristen über ihre Erfahrungen berichten können, ist es möglich, dass der internationale Druck auf die Junta wächst. Sonst gelangen ja kaum mehr Informationen an die Öffentlichkeit. Da fragt sich dann nur, ob die Touris auch wirklich mitbekommen was abgeht?

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