«Tours by Locals»: Zeig mir Deine Stadt!

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Was tun, wenn man meint, bereits alles von einer Stadt gesehen zu haben? «Tours by Locals» verspricht Besuchern, die versteckten Juwelen einer Stadt zu entdecken. Also weg von all den Touristen-Spots hin zu den Orten, wo sich auch Einheimische in Ihrer Stadt zu Hause fühlen. Kann so eine Tour halten, was sie verspricht? Ich habe mir Vancouver im Rahmen der Tour „Hippie to Hipster“ angesehen.

Vancouver Commercial Drive - Alternative interior in a Cafe
Cafe an der Main Street. Wohnzimmeratmosphäre inklusive

Ich war ja schon im Vorfeld gespannt: Lohnt sich so eine Tour mit einem Einheimischen durch Vancouver überhaupt? Werde ich auf der „Hippie to Hipsters„-Tour von «Tours by Locals» jetzt stundenlang von einem Ort zum anderen gehetzt werden, weil der lokale Guide mir einfach jede Ecke „seiner“ Stadt zeigen will? Wird man mir als Besucher überhaupt etwas spannendes zu zeigen haben?

Am vereinbarten Treffpunkt in Downtown Vancouver wartet bereits Jenny, mein Guide für die nächsten Stunden. Sie reise selber viel, lege dabei immer viel Wert darauf, sich abseits der ausgetretenen Touristenpfade zu bewegen und suche aktiv den Kontakt zu Einheimischen. Genau dies wolle sie auch Vancouver-Reisenden näher bringen, denn die kanadische Grossstadt habe abseits der Tourist-Spots doch so viel zu bieten, wie sie sagt. Mit «Tours by Locals» habe sie die Möglichkeit, den Besuchern „ihr“ Vancouver mit einer eigenen Tour zu zeigen, ohne auf Vorgaben Rücksicht nehmen zu müssen. Und tatsächlich sind die Guides, die sich vom kanadischen Unternehmen vermitteln lassen, vollkommen frei in der Gestaltung ihrer Touren.

Tours by Locals Guide Jenny in Vancouver
Drive Certified – Ja, Jenny, mein Tours by Locals-Guide, kennt hier jede Ecke…

Los ging also die private Tour mit einer Fahrt im Skytrain zum Commercial Drive, von den Einheimischen auch „The Drive“ genannt. In den 80er Jahren noch als „Little Italy“ von Vancouver bekannt, ist der Drive heute ein multikultureller Schmelztigel verschiedenster Kulturen. Ja, sicher nicht das schönste, am besten herausgeputzte Viertel der Stadt. Aber der Drive hat seinen ganz eigenen Charme und hat mich schnell vereinnahmt. Ganz egal, ob es nun die vielen Graffitis an den Wänden oder die Vielfalt an verschiedenen Läden, Bars und Cafes ist. Und hier gibts gefühlt Läden für jeden und jedes. Nur keine Shops grosser Ketten und selbst der omnipräsente Starbucks fehlt hier für einmal.

Vancouver Commercial Drive Santa Barbara Market
Der Santa Barbara Market am Commercial Drive

Klar, der Commercial Drive ist jetzt nicht DER Geheimtipp und unter Vancouver-Besuchern nicht völlig unbekannt. Trotzdem gibts auch am Drive einige Highlights, die dem Besucher nicht so ohne weiteres auffallen. So zum Beispiel den Santa Barbara Market, auf den Jenny zielstrebig zusteuert. Auf den ersten Blick ein ganz normaler Lebensmittelladen. Drinnen zeigte sich der Laden mit einem Touch aus Grossmutters Zeiten und einem Hingucker von Fleischtheke. Und ja, ein Geheimtipp scheint der Market ganz offensichtlich nicht mehr zu sein. So müsse man an der Fleischtheke am Wochenende schon mal zehn oder zwanzig Minuten warten, nachdem man sich brav eine Nummer gezogen hat, wie Jenny erzählt.

Vancouver Commercial Drive Joes Cafe
Kaffeepause in Joes Cafe am Commercial Drive

Auch schnuckelige Cafes gibts alle paar Meter, zum Beispiel Joes Cafe, wo wir Halt für einen richtigen italienischen Espresso machen. Eine Wohltat nach all dem Filterkaffee, der einem sonst überall aufgetischt wird. Apropos Cafes: Mir fällt auf, dass praktisch jedes Cafe gut mit jungen Leuten gefüllt ist, die vor ihren Laptops sitzen. Jenny weiss, dass das kostenlose Wifi scharenweise Schüler und junge Berufstätige anzieht, die ihr ihrer Arbeit, oder eben ihren Schularbeiten nachgehen.

Hausaufgaben, Zeitunglesen oder einfach Kaffee trinken. Typisches Cafe am Commercial Drive
Hausaufgaben, Zeitunglesen oder einfach Kaffee trinken. Typisches Cafe am Commercial Drive

Organic food, oder eben alles was mit biologischem Anbau so zu tun hat, ist am Commercial Drive total hip. Egal ob im „Sweet Cheribum“, bei „Organic Foods“ oder vielen anderen kleinen Shops am Drive: Kokosnussmilch als isotonischer Muntermacher, mit Agavensaft gesüsstes Ketchup, Bio-Mineralwasser, veganer Käse oder Kräuterkuren zur Entgiftung, hier findet der Fan von Bio- und veganer Ernährung alles, was das Herz begehrt.

Vancouver Commercial Drive Graffiti
„Organic food“, biologische Lebensmittel – Omnipräsent am Commercial Drive in Vancouver

Danach ging es weiter mit dem Bus zur Main Street, wo sich die Vintage-Szene die Klinken der Antik- und Second-Hand-Kleiderläden und lokalen Designer-Boutiquen in die Hand gibt. OK, das ist hier ist dann wohl eher das Gebiet für die interessierte Dame. Aber am Ende kam dann – endlich – auch wieder was für mich in Sicht: Bier! Und das nicht zu knapp. Allein Vancouver zählt derzeit dreizehn Kleinbrauereien und es sollen noch viele mehr werden. East Vancouver soll mit neun solcher Brauereien bereits die höchste Brauereidichte Kanads aufweisen. Und so endete meine Tour hier im Brewery District, wo ich mich dann durch die verschiedenen Biere trinken und den Besonderheiten der Brauereien auf die Spur kommen konnte. Und damit endet hier auch dieser Bericht, denn über biertrinkende Touristen wollt ihr, glaubt mir, am Ende dann doch nichts mehr wissen…

Brassneck-Brauerei in East Vancouver
Brassneck-Brauerei in East Vancouver

Fazit: Ja, am Ende der Tour war ich doch ziemlich erledigt. Es gab viel zu laufen, zu sehen, zu hören und am Ende auch zu trinken. Aber: Eine solche «Tours by Locals» ist eine tolle Möglichkeit, eine Stadt von einer ganz neuen Seite kennenzulernen. Das in Vancouver gegründete Unternehmen vermittelt inzwischen in vielen Städten der Welt Touren mit Einheimischen an. So zum Beispiel auch in der Schweiz,zum Beispiel in Zürich, Luzern oder Basel. Vielleicht eine gute Gelegenheit, auch mal die eigene Heimat aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Es lohnt sich allerdings, einen Blick auf die Preise zu werfen. Während etwa die fast vierstündige „Hippie to Hipster“-Tour in Vancouver 207 Dollar kostete (Basis 2 Personen), verlangt der lokale Guide in Basel für eine zweistündige Tour ganze 486 US-Dollar (egal ob zwei oder elf Personen).

Vancouver Commercial Drive Shop Door
Paradies für Kaffeeliebhaber: JJ Bean Coffee Roasters am Commercial Drive
Vancouver Commercial Drive Coffee-Shop
Was darfs denn sein? Menu-Karte
Vancouver Commercial Drive Graffiti
Graffiti am Commercial Drive
Vancouver Commercial Drive Shop
Ein Shop am Commercial Drive
Vintage-Friseurladen an der Main Street
Vintage-Friseurladen an der Main Street
Eingang zum Friseurladen an der Main Street
Eingang zum Friseurladen an der Main Street

3 KOMMENTARE

  1. Hallo Tom, vielen Dank für diesen Artikel!
    Die Idee ist sehr gut, auch wenn sie nicht ganz neu ist. Neu ist tatsächlich, dass ein Unternehmen solche Touren international anbietet und vermittelt – gegen einen anständigen Obolus, wie mir scheint.

  2. Meiner Meinung nach auch eine echte geniale Idee. Habe ich jetzt schon zwei Mal mitgemacht sowas. Einmal in Stockholm und einmal in Zürich. Beide Male war es super und in Zürich hat uns der Guide sogar noch ein Restaurant gezeigt, in dem ich das beste Raclette meines Lebens gegessen habe!

  3. Sehr coole Idee, habe bisher nur von „Food Tours“ gehört, aber nie sowas, müsste man eigentlich auch in der Schweiz machen, gute Restaurant-Tipps für ZH hätte ich schon… ;-)

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