Flussreisen: Das Hotel immer mit dabei

Es gibt ja genügend Vorurteile über Flusskreuzfahrten. Zum Beispiel, dass es an Bord sterbenslangweilig ist oder man frühestens zehn Jahre nach Eintritt ins Pensionsalter erstmals eine solche Reise bucht. Meine Flussreise im vergangenen Jahr auf Mosel und Rhein zeigte: Ganz falsch ist das alles nicht – doch es kommt auf die Sichtweise an.

Brückendurchfahrt. Sogar die Reeling wird dafür flachgelegt.
Brückendurchfahrt. Sogar die Reeling wird dafür flachgelegt, sicher ist sicher!

„Halten Sie niemals Ihre Hände bei einer Brückendurchfahrt in die Höhe. Das gibt unschöne Kratzer – nicht an der Brücke, aber an Ihren Händen“, wurden wir schon kurz nach dem Bezug unserer Kabinen bei einer ersten Infoveranstaltung in der Panorama Lounge unseres Schiffes gewarnt. Und tatsächlich: Kaum hatten wir im malerischen, rheinland-pfälzischen Städtchen Bernkastel abgelegt, zwängten wir uns unter der ersten Brücke durch. Sogar die Reeling des Sonnendecks wurde dafür flachgelegt, sicher ist sicher.

Rundgang in Bernkastel
Rundgang in Bernkastel

Und so arbeiteten sich die beiden je 1300 PS starken Caterpillar-Dieselmotoren nun also mit rund 20 Stundenkilometern auf der Mosel flussaufwärts in Richtung unserem ersten Etappenziel Cochem. Zeit, unser Schiff etwas genauer zu erkunden. Die 2008 gebaute und 2012 bereits modernisierte Scenic Sapphire gehört, genauso wie sechs weitere Schiffe gleicher Bauart, dem australischen Reiseveranstalter Scenic Tours. Mit einer Länge von 135, und einer Breite von 11,4 Metern ist die Sapphire das grösste Flussschiff auf dem Rhein. Über drei Passagierdecks verteilt finden maximal 169 Passagiere in 85 Kabinen Platz. Der Clou: Keine gefürchteten Innenkabinen, sondern ausschliesslich Aussenkabinen, die zudem im Mittel- und Oberdeck alle über einen Balkon verfügen, der sich sogar mit einer elektrischen Verglasung schliessen lässt. Die Kabine erfährt so eine angenehme Vergrösserung, auf der man es sich so richtig gemütlich machen und die Landschaft an sich vorbei ziehen lassen kann.

Die Kabine mit Aussenbalkon: 23 Quadratmeter Rückzugsfläche
Die Kabine mit Aussenbalkon: 23 Quadratmeter Rückzugsfläche

Für das leibliche Wohl wird im vollverglasten Restaurant gesorgt. Während der Blick immer wieder durch die Fenster nach draussen schweift, serviert das Personal sowohl Mittags wie auch Abends jeweils einen Viergangmenu, das sich qualitativ ganz nach den 5-Hotelsternen des Schiffes richtet.

En Guete: Ein reichhaltiges Buffet zum Frühstück
En Guete: Ein reichhaltiges Buffet zum Frühstück

Der Alleinunterhalter spielt (fast) nur für sich selber
Abends zeigt sich dann aber schnell, dass ich den Altersdurchschnitt trotz meiner nicht mehr ganz taufrischen 44 Jahre mächtig drücke. Endlich durch den Viergänger geschlemmt, das Dessert verzehrt und den Kaffee samt Schnaps zur Verdauungsanregung verzehrt, wirds Zeit für einen Besuch in der gemütlichen Panorama-Lounge. Doch dort blieb die kleine Journalisten-Schar fast unter sich, die älteren Schiffsgäste haben sich sich mehrheitlich in ihre Kabinen zurückzogen. Schade, schliesslich spielte der Alleinunterhalter doch dezent die Musik, die auf die älteren Gäste ausgerichtet war.

Doch am Ende hat auch das Vorteile, man geht ganz einfach früher ins Bett und ist frühmorgens gleich wieder fit. Und das ist wichtig, denn schliesslich bewegt sich das schwimmende Hotel meist abends und nachts, damit man am Morgen bereits an einem anderen Ort ankert. Und so ist man, gestärkt vom ausgiebigen Frühstücksbuffet, frisch ausgeruht für die Erkundungstour in der nächsten Stadt. Und zu erkunden gab es auf der Reise von Bernkastel bis nach Köln einiges, schliesslich ist die Gegend für ihre mittelalterlichen Städtchen, Burgen und Schlösser und prächtige Fachwerkhäuser bekannt. Überhaupt, das halte ich auch für das grosse Plus solcher (Fluss-) Kreuzfahrten: Das Hotelzimmer fährt immer mit, das ständige Aus- und Einpacken der Koffer entfällt gänzlich und man hat Zeit, sich auf die schönen Dinge des Lebens zu konzentrieren. Das habe ich als sehr angenehm empfunden, ganz abgesehen davon, dass man jeden Tag an einem neuen Ort aufwacht.

Die Reichsburg Chochem trohnt über dem Städtchen
Die Reichsburg Chochem trohnt über dem Städtchen
Romanische Kirche von Sankt Aldegund
Romanische Kirche von Sankt Aldegund

Und wo sind die Jungen?
Bloss: Wo sind denn nun die jüngeren, oder zumindest junggebliebenen Gäste? Das scheint auf Flusskreuzfahrten ein Problem zu sein, wie Dominik Trösch vom Schweizer Veranstalter Rivage Flussreisen einräumt. Das Durchschnittsalter bei solchen Flussreisen liege bei etwa 65 Jahren. Jüngere Reisende würden die Regionen wohl eher individuell besuchen oder halt Fernreisen für spannender halten. Rivage, übrigens eine Tochter des Busreiseunternehmens Eurobus, will dem mit speziellen Themenreisen entgegenwirken. So habe man es bereits geschafft mit Wanderreisen, dem Riverboat Jazz Festival oder der Reise mit dem E-Bike Flyer die Gästestruktur zu verjüngen und besser zu durchmischen.

Es bleibt zu hoffen dass dies auch gelingt, denn meine erste Flusskreuzfahrt hat mir sehr gefallen. Reisen war selten bequemer als auf dem Fluss. Mit meinen 44 Jahren dann aber wohl als weitaus jüngster – mal abgesehen vom Personal – auf so einem Schiff zu sein, hatte dann aber halt doch seine Tücken. Doch trotzdem: Ich kann mir gut vorstellen, wieder auf Flussreise zu gehen, zu verlockend ist die Aussicht darauf, jeden Morgen an einem neuen Ort aufzuwachen.

(Disclosure: Die Reise fand auf Einladung von Rivage Flussreisen statt.)

Unser Schiff, die Scenic Sapphire, ist das grösste Flussschiff auf dem Rhein.
Unser Schiff, die Scenic Sapphire, ist das grösste Flussschiff auf dem Rhein.
Millimeterarbeit: Einfahrt in eine Schleuse auf der Mosel
Millimeterarbeit: Einfahrt in eine Schleuse auf der Mosel
Kapitän Mihai Manolache auf seiner Brücke
Kapitän Mihai Manolache auf seiner Brücke
Brückendurchfahrt: Dank versenkbarer Brücke auch bei hohem Wasserstand kein Problem
Brückendurchfahrt: Dank versenkbarem Kommandostand auch bei hohem Wasserstand kein Problem
Landschaften und Dörfer ziehen vorbei. Hier das Städtchen Pünderich
Landschaften und Dörfer ziehen vorbei. Hier das Städtchen Pünderich
Sightseeing am Etappenziel Chochem
Sightseeing am Etappenziel Chochem
Rundgang in Bernkastel
Rundgang in Bernkastel

3 KOMMENTARE

  1. @Walter/Tom: Haha, gut dass Du nicht weiter nachgebohrt hast… ;-)

    Wird das Essen auch auf dem Schiff gekocht, ich frage mich wo die Küchentruppe den Platz dazu findet, sieht ganz schön eng aus…

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