Wenn die Margen im Schnee schmelzen

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Ein Gastbeitrag von Thomas Frei aus Gstaad, Bernerhof Hotelier aus Leidenschaft. Fast täglich auf Wanderschaft und trotzdem sesshaft. Hier – www.wanderhotel.ch

In der grössten Schweizer Wochenzeitung, der Coopzeitung, lag jüngst eine 24-seitige Beilage: „Schneewochen: Exklusive Winterangebote„. 20 Hotels konnten Angebote von zwei Nächten, ein Abendessen sowie Zusatzleistungen zu vorgeschriebenen 249.— Franken anbieten.

Das Positive vorweg: Schön, dass Coop in Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus für den Schweizer Winter bei seinen 3,6 Millionen Lesern Werbung macht. So, das war jetzt das Positive, und nun zur Hauptsache. Zur Rechnung, die dahinter steckt. Und die sieht so aus:

Bergpanorama Coop Schneewochen
 

Von den SFR 249.00 Arrangement Preis ziehen wir 43% Lohnkosten ab. So bleiben uns 142.00. Dann kommen weitere, sagen wir mal 42.— für das Abendessen. So bleiben noch Hundert Stutz. Wir ziehen weitere 16% übrigen Betriebsaufwand ab. So bleiben noch 60 Franken. Unterhalt/Ersatz 6%, so sind wir bei 45.-. Ziehen Zinsen, Miete von 5% ab, dann sind wir bei 32 Franken. Kurtaxen, Mehrwertsteuer nochmals minus 20 Franken, dann haben wir, ähm, ja 12 Franken. Sodeli, dann dividieren wir das noch durch 2 Nächte, so bleiben stolze 6.- Franken. Ich gehe davon aus, dass meine Gastgeber-Kollegen die Skitickets gratis bekommen.

Gäste verlieren die Relation
Mir könnte es ja egal sein. Ist es aber nicht. Denn ob diesen Killerpreisen verlieren unsere Gäste komplett die Relationen. Den Sinn dafür, welche Leistungen wieviel kosten, wenn man sie richtig berechnet. Das Bewusstsein dafür, dass ein Hotel und Restaurant einen Gewinn erwirtschaften muss, um investieren zu können.

COOP verkauft schlussendlich alles über den Preis. Die stehen mit Lidl, Aldi und was weiss ich im Preiskampf. Die herzigen Tante-Emma-Lädeli sind verschwunden. Aus die Laus. Sie konnten einfach nicht so billig sein wie die Grossen. Und jetzt ist Coop auch im Tourismus als Margenzerstörer tätig. Okay, ihnen kann das ja schnurz sein, sie führen ja selber keine Hotels.

Aber dass Schweiz Tourismus diese Aktion unterstützt und koordiniert, verschlägt meiner Tastatur die Buchstaben. Und mir haut’s den Nuggi raus.

P.S. Übrigens, die Prozente, welche da oben stehen, sind nicht etwa aus dem Daumen gezogen. Sie basieren auf Kennzahlen für ein 4-Sterne Saison Hotel.

2 KOMMENTARE

  1. Ich denke, um die Margen halten zu können, muss man sich ganz klar von der Konkurrenz differenzieren. Als Unternehmensberater und Management Consultant bin ich oft für mittelständische Tourismusbetriebe tätig. Meist versuche ich jedoch nicht unbedingt die Kosten zu drücken, sondern eher die Qualität durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu steigern. Damit kann man dann einen höheren Preis, und im Idealfall auch eine höhere Marge rechtfertigen.

  2. Die Margen sinken in vielen Bereichen. Wir leben einfach in einer „Geiz ist geil“ Welt. Das trifft natürlich insbesondere die Luxusbranche (Hotels, Schmuck, Antiquitäten, etc.). Allerdings gebe ich Fabian Recht: Man muss einfach versuchen die Qualität zu steigern, um tragbare Margen halten zu können.

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