Swiss 777: In der Economy wirds eng

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Gastautor Martin Weigert ist vor kurzem in der Economy der Swiss Boeing 777 von Singapur nach Zürich geflogen. Sein Fazit zur 3-4-3-Bestuhlung in der Economy und der engen Gänge ist ernüchternd: Viel zu eng!

Economy Class in 3-4-3 Bestuhlung an Bord der SWISS Boeing 777-300ER (Bild: Swiss International Air Lines)
Economy Class in 3-4-3 Bestuhlung an Bord der SWISS Boeing 777-300ER (Bild: Swiss International Air Lines)

Vor wenigen Tagen bin ich in der Economy-Klasse der neuen Boeing 777-300 der Swiss von Singapur nach Zürich geflogen. Während mein Hinflug (als Open Jaw nach Shanghai) in einem älteren Airbus A340 der gleichen Fluggesellschaft mit 2-4-2-Bestuhlung erfolgte und ich einen Doppelsitz in der Exit-Reihe für mich alleine hatte, bedeutet die Swiss-777 für Economy-Reisende eine enge 3-4-3-Bestuhlung. Zu meinem Bedauern (und sicher zur Freude von Swiss) war der Flug von Singapur nach Zürich auch komplett voll. Da ich zuvor dank Award-Ticket mit Thai Airways in der Business-Class einer B777-200 aus Bangkok nach Singapur kam, konnte meine Ausgangslage kaum schlechter sein: Von Luxus und Platz im Überfluss zu einem vollgepackten 12 1/2-Stunden-Flug in einem Flugzeug-Typ, in dem bislang zumeist nur 9 Sitze nebeneinander Platz fanden – in den jetzt aber immer mehr Airlines 10 Sitze pro Reihe hineinquetschen.

Nachdem sich auch meine letzte Hoffnung, als Star-Alliance-Goldkarten-Inhaber von einer eventuellen Überbuchungssituation in Form eines Upgrades zu profitieren, in Luft aufgelöst hatte, begann ich, mich mit meinem Schicksal abzufinden: Die nächsten 12 1/2 h würden sehr unangenehm werden. Immerhin hatte ich mit 27G einen Sitz am Gang. Für lange Flüge gibt es für mich keine Alternative.

Der Gang in der Economy der Swiss Boeing 777: Mit der aktuellen 3-4-3 Bestuhlung wirds eng.
Der Gang in der Economy der Swiss Boeing 777: Mit der aktuellen 3-4-3 Bestuhlung wirds eng (Bild: Rémy Steiner Photography)

Der Vorteil extrem niedriger Erwartungen: Es kann fast nur besser werden. Tatsächlich war der Flug nicht so schlimm. Dank des Abflugs um kurz vor Mitternacht Ortszeit gelang es mir, rund 5-6 Stunden zu schlafen. Meine Sitznachbarin war unkompliziert. Die Sitze selbst empfand ich als normal gebaute Person durchaus in Ordnung. Die Beinfreiheit war nicht der Hit, aber bei meinen 1,78m ok. Positiv fiel mir der Recline auf – zum Schlafen nicht schlecht. Das neue Entertainment-System kam bei den Passagieren gut an. Das Navigieren auf dem scharfen, gut dimensionierten Touch-Screen macht Spass und funktioniert annähernd so geschmeidig, wie man es vom Smartphone gewohnt ist. Das Film- und Serienangebot fand ich eher spärlich, aber ich bringe mir ohnehin immer meine eigene Unterhaltung mit.

Die 3-4-3-Bestuhlung ist inakzeptabel
Auch wenn der Flug sich als weniger anstrengend erwies als befürchtet, gibt es keinen Grund, die 3-4-3-Bestuhlung schönzureden: Sie ist vollkommen inakzeptabel – und zwar in erster Linie, weil die Gänge viel zu eng sind. Es ist fast unmöglich, nicht ständig irgendwo anzuecken. Dies stellt besonders für die Besatzung eine sichtliche Herausforderung dar. Die Flight Assistants hatten laufend damit zu kämpfen, sich mit ihren Wägelchen erfolgreich durch die Gänge zu manövrieren. Ich behaupte, dass die grössten Leidtragenden der Sitzpolitik der Swiss die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sind. In solch einer Enge fast 13 Stunden arbeiten zu müssen, kann einfach keinen Spass machen. Dieses Sentiment zeichnete sich auch auf den Gesichtern des Personals ab. Ich habe Verständnis. Wenn der Kultfilm «Office Space» uns etwas gelehrt hat, dann dass es sich früher oder später rächt, wenn Angestellte in immer kleiner dimensionierte Arbeitsflächen gezwängt werden.

Was übrigens auch eine negative Folge der Bestuhlung ist: Wer einen Gang-Platz in einer Exit-Row hat, der findet keine Ruhe. Die panische Reaktion des armen Kerls, den ich versehentlich mit einem Tritt auf seinen Fuss aus dem Schlaf riss, geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Zur Verpflegung gibt es nicht viel zu sagen. Die war in Ordnung.

Swiss tut sich keinen Gefallen
Fazit: Ich denke nicht, dass sich die Swiss mit der 3-4-3-Bestuhlung einen Gefallen tut. Ein derartig eingepferchter Flug hinterlässt für keine Beteiligten einen zufriedenstellenden Eindruck. Es gibt viele Alternativen, um nach Südostasien bzw. zu den anderen Destinationen zu gelangen, an die Swiss die 777 fliegt – mit Star Alliance und Gesellschaften anderer Allianzen. Von Zürich nach Singapur etwa fliegt auch Swiss-Codeshare-Partner Singapore Airlines – in deren Flugzeugen sitzt man deutlich besser, ausserdem gibt es eine Premium Economy. Diese hätte ich in der Swiss 777 sehr sehr gern. Angesichts der Konkurrenzsituation, gerade auch im Hinblick auf die Airlines vom Golf, wundert es mich, dass man bei der Schweizer Lufthansa-Tochter derartig grosse Bereitschaft zeigt, den Komfort der Passagiere sowie die Bewegungsfreiheit der Besatzung so stark zu beschneiden. Dass man dann gleichzeitig in der Kommunikation ständig den angeblich erhöhten Komfort der 777 hervorhebt, ist schon etwas dreist. Das mag für First und Business-Passagiere zutreffen – für die grosse Mehrzahl der Swiss-Passagiere aber nicht.

Übrigens: Mein Anschlussflug mit Swiss in einem Airbus A320 fühlte sich dann vom Platz her wie eine Verbesserung an. Das will was heissen.

2 KOMMENTARE

  1. Ich habe bisher nur Schlechtes über die 3-4-3 der Swiss gelesen bzw. gehört (von Kollegen, die dort drinnen sassen). Viele sagen mir, sie ässen nur noch Menus, die man einhändig einnehmen kann, weil die Breite so eingeschränkt sei.

  2. Ein echt trauriger Schritt. Hatte vor 1-2 Jahren schon mal gelesen, dass Swiss es plant. Traurig, dass es nun umgesetzt wurde.

    All Nippon Airways & Japan Airlines hatte ich in der Boeing 788 schon 2-4-2 Bestuhlungen. Wenn ich mir nun vorstelle mit der so gefeierten SWISS in 3-4-3 zu fliegen, frage ich mich, ob das nicht für SWISS zum großen Problem werden kann, wenn man auf die große Masse der Economy offensichtlich keinerlei Kundeninteresse mehr setzt.

    Abwarten wie die Konkurrenz antwortet, ich hoffe man tut es SWISS nicht gleich.

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