Sneak Peak: Der neue Jet der SWISS

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Heute präsentierte die SWISS ihr jüngstes Flottenmitglied, die Bombardier CS100, die die inzwischen veralteten und ineffizienten Jumbolinos ersetzt, erstmals geladenen Gästen und der Presse. Grund genug, sich die weltweit erste ausgelieferte CS100 auf einem kurzen Flug etwas genauer anzusehen.

Der neue SWISS Kurz- und Mittelstreckenjet: Bombardier CS100
Der neue SWISS Kurz- und Mittelstreckenjet: Bombardier CS100

Grösser, weiter, besser, und vor allem auch: Leiser. Glaubt man den Verantwortlichen, so ist die CS100 so was wie eine eierlegende Wollmilchsau. Und ganz unrecht dürften sie dabei nicht haben, immerhin wird mit den Jets die laute und durstige, durschnittlich 16-jährige Avro-Flotte abgelöst. Und darauf hat die SWISS lange gewartet, denn die bereits 2008 bestellten dreissig Kurz- und Mittelstreckenflieger von Bombardier hätten ursprünglich bereits 2013 geliefert werden sollen. Mit drei Jahren Verspätung hat SWISS als Erstbestellerin nun das erste Exemplar entgegengenommen.

Zugegeben, es ist nicht das erste Mal, dass mir eine CS100 unter die Augen kommt. Vor fast genau einem Jahr war bereits eine Bombardier CS100 in Zürich zu Besuch. So gesehen hatte ich heute ein kleines Déjà-vu. Allerdings: Der Flieger damals war „nur“ ein Testflugzeug von Bombardier, das zwar in den SWISS-Farben lackiert war, aber nicht der von SWISS bestellten Konfiguration entsprach. Umso mehr gespannt war ich auf das Interieur des äusserlich ziemlich gut aussehenden Jets.

Ein Blick in die Kabine der SWISS CS100
Ein Blick in die Kabine der SWISS CS100
Neues Sitzdesign: Tisch mit nur einem Führungsarm für mehr Kniefreiheit. Dafür weniger Ablagen.
Neues Sitzdesign: Tisch mit nur einem Führungsarm für mehr Kniefreiheit. Dafür weniger Ablagen.

Und auch das war eine positive Überraschung. Die Kabine, ganz in den dezenten Swiss-Interieur-Farben gehalten, überraschte mich vor allem durch den grosszügigen Raumeindruck und die Helligkeit. Von der Enge anderer Kurzstreckenjets war zumindest gefühlt nichts zu spüren. Die grösseren Fenster sorgen nicht nur für einen besseren Ausblick, sondern vor allem auch für mehr Licht im Flieger. Auch sonst hat man das Gefühl, mehr Platz im Gang zu haben. Und auch die Sitze haben Lob verdient: Trotz früher öfters bemängelten 76,2 cm Sitzabstand hatte ich unüblich viel Freiraum. Dies dürfte wohl auch mit der Neukonstruktion des Sitzes und dem anstatt mit zwei nur noch mit einem Führungsarm ausklappbaren Tisch liegen.

Wohl konstruktionsbedingt hat man dafür an den Ablagen am Vordersitz gespart, wirklich viel geht da nicht rein. Dafür soll in den Overhead Bins fast 25 Prozent mehr Platz sein. Wenn man sieht, welch grosse Gepäckstücke Passagiere heutzutage in den Flieger bringen, ist das auch bitter nötig. Bleibt nur zu hoffen, dass deshalb nicht noch mehr Handgepäck mitgeschleppt wird.

Innovativ auch die in jeder Sitzreihe an der Decke montierten, etwa Smartphone-grossen Bildschirme, auf denen neben dem Sicherheitsvideo auch alle anderen bekannten relevanten Reiseinfos wie Flugzeit, Distanz oder Anschlussgates angezeigt werden. Filme schauen dürfte auf den kleinen Bildschirmen hingegen etwas schwierig werden, allerdings ist das auf Europastrecken ja auch nicht üblich.

Smartphone-grosser Screen in jeder Sitzreihe mit Anzeige reiserelevanter Daten
Smartphone-grosser Screen in jeder Sitzreihe mit Anzeige reiserelevanter Daten

Scenic Flight – mit ruhiger Geräuschkulisse
Schon mal einen Passagierjet im Hangar geboardet? Ich auch nicht, aber den Scenic Flight über die Schweizer Alpen hab ich mir dann nicht nehmen lassen. Das bot gleichzeitig die Möglichkeit, den Flieger auch im Flug – und so erleben wir den Flieger ja eigentlich meistens – kurz anzutesten. Schon beim Rollen zur Startposition fiel mir auf, dass der Jet im Innern merklich leiser ist als andere Flugzeuge. Dieser Eindruck verstärkte sich dann auch beim Start und beim Flug. Die bekannte Inflight-Geräuschkulisse ist deutlich leiser, so dass man problemlos auch Gespräche in anderen Sitzreihen belauschen kann. Ob man das will, ist dann nochmals eine ganz andere Frage. Trotzdem: Das Stück mehr Ruhe machen das Fliegen ein ganz Stück angenehmer.

"Scenic Flight" im Bombardier CS100 über die Schweizer Alpen
„Scenic Flight“ im Bombardier CS100 über die Schweizer Alpen

Insgesamt hat die Schweizer Airline 30 Jets von Bombardier bestellt, davon 10 CS100 mit je 125 Sitzplätzen sowie 15 Exemplare der leicht grösseren CS300 mit je 145 Plätzen (CS300-Erstkunde ist übrigens Air Baltic). Für die restlichen fünf bestellten Maschinen wurde noch nicht entschieden, welche Variante am Ende geordert wird. Mit der Einflottung der Bombardier-Jets sind das Durchschnittsalter der Kurzstreckenflotte damit in den nächsten drei Jahren von 16 auf knapp sieben Jahre.

Ein Blick ins Cockpit der Bombardier CS100: Bildschirme dominieren
Ein Blick ins Cockpit der Bombardier CS100: Bildschirme dominieren
Notausgang: Hier gibts natürlich noch etwas mehr Platz
Notausgang: Hier gibts natürlich noch etwas mehr Platz

1 KOMMENTAR

  1. Wow, eine fliegende, eierlegende Wollmilchsau hatte ich mir weniger stromlinienförmig vorgestellt! Und im Cockpit sieht es aus, als würden Piloten künftig mehr oder weniger fernsehen bei der Arbeit?

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